Die Spezialambulanz für Angsterkrankungen in Berlin

führt Therapie der Panikstörung und Agoraphobie durch. Dadurch werden Panikattacken und Platzangst mit kognitiver Verhaltenstherapie behandelt, die in Einzel- und Gruppen-Therapie zur Behandlung der Panikstörung in Berlin stattfinden.

Die Therapie der Panikstörung

ist wirksam bei der Angst-Reduktion. Expositionstherapie bzw. auch Konfrontationstherapie lokal in Berlin ist dabei ein wichtiges Behandlungs-Element. Der Patient lernt, mit Angst und Panik besser umzugehen und die körperlichen Symptome von Panikattacken richtig zu interpretieren.

Richtig und rechtzeitig behandelt, haben Menschen mit einer Panikstörung mit Agoraphobie eine gute Prognose für ein erfolgreiches Therapie-Ergebnis. Sie lernen, aus dem Teufelskreis der Angst, dem Aufschaukeln von Panik-Gedanken und Panik-Körpersymptomen, auszubrechen, den Einfluss von Stress auf Angst zu verstehen und Strategien zur Angst- und Anspannungs-Reduktion einzusetzen.

Behandlung | Medikamentöse Therapie

AntidepressivaIn der Behandlung der Panikstörung werden überwiegend Antidepressiva eingesetzt, da diese nicht nur anti-depressiv, sondern auch anxiolytisch (angstlösend) wirken.

Es gibt verschiedene Arten bzw. Klassen an Antidepressiva. Die Auswahl richtet sich haupsächlich nach der nachgewiesenen Wirksamkeit der einzelnen Substanzen, sowie möglichen Begleiterkrankungen, Vorerfahrungen und Präferenzen des Patienten.

 

 Behandlung mit Antidepressiva | Allgemeine Prinzipien

  • Antidepressiva machen nicht abhängig und verändern nicht die Persönlichkeit. Nebenwirkunken sind in der Regel leichtgradig ausgeprägt, vorrübergehend und treten meist ausschließlich bei Beginn der Therapie auf.
  • Man muss Antidepressiva regelmäßig - und nicht abhängig von dem aktuellem Befinden - einnehmen. Alle Substanzen haben einen verzögerten Wirkungseintritt und entfalten meist nach vier Wochen kontinuierlicher Behandlung ihren Effekt. Aktuelle Therapie-Richtlinien und Übersichtsarbeiten empfehlen eine Einnahme über einen Zeitraum von mindestens 12 Monaten (Quelle: Bandelow et al., 2014; Plag & Ströhle, 2015).
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  • In der Regel wird am Anfang langsam aufdosiert (erst geringe, dann langsam steigende Dosierung), damit der Körper sich an das Medikament gewöhnen kann. In dieser Anfangs- Phase können Nebenwirkungen auftreten (bei verschiedenen Antidepressiva-Klassen unterschiedlicher Art, z.B. Übelkeit, Schwindel), manche Nebenwirkungen können auch längerfristig bestehen bleiben (z.B. trockener Mund, sexuelle Funktionsstörungen). Letztere können dann einen Substanzwechsel notwendig werden lassen. Am Ende der Behandlung sollte das Medikament nicht plötzlich weggelassen, sondern die Dosis allmählich reduziert werden.
  • Die anxiolytische (angstlösende) Wirkung eines Antidepressivums beginnt erst mit einer Verzögerung bis zu 4 Wochen. Daher kann man erst nach dieser Zeit beurteilen, ob das Medikament bei einer Person wirksam ist. Andernfalls sollte eine höhere Dosierung gewählt werden oder auf ein anderes Medikament gewechselt werden.
  • Die Entlastung und Verbesserung, die durch das Medikament erreicht wird, sollte unbedingt genutzt werden, um den eigenen Aktionsradius wieder auszuweiten und aktiv gegen die Ängste vorzugehen, allein oder unterstützt durch eine Psychotherapie.

Behandlungsoption der 1. Wahl

Antidepressiva der 2. Generation (Selektive Serotonin- Wiederaufnahmehemmer [SSRI] und Selektive Serotonin- Noradrenalin- Wiederaufnahmehemmer [SSNRI]) sind bei der medikamentösen Behandlung der Angststörungen Substanzen der 1. Wahl, d.h. viele dieser Medikamente sind gut untersucht, nachweislich effektiv und durch das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zur Behandlung zugelassen (Quelle: Plag & Ströhle, 2012). Die medikamentöse Behandlung kann parallel zu einer Psychotherapie durchgeführt werden; beide Therapieformen ergänzen sich in der Regel gut (Quelle: Cuijpers et al., 2016).  

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Wirkweise:

SSRIs und SSNRIs erhöhen im Gehirn selektiv die Konzentration des Botenstoffes Serotonin (und Noradrenalin), indem sie dessen Wiederaufnahme in die Nervenzelle (über sogenannte Serotonin-Transporter) blockieren und damit den Botenstoff länger für die Informationsübertragung verfügbar machen. Einer der Gründe dafür, dass man annimmt, dass Angstpatienten einen Mangel an Serotonin aufweisen, stützt sich auf die gute Wirksamkeit dieser Medikamente.

Beispiele für Medikamente:

SSRI: Paroxetin (Seroxat®); Citalopram (Cipramil®), Escitalopram (Cipralex ®); Fluvoxamin (Fevarin®), Fluoxetin (Fluctin®), Sertralin (Zoloft®)

Mögliche Nebenwirkungen:

Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwitzen, sexuelle Funktionsstörungen

SSNRI: Venlafaxin (Trevilor ®); Duloxetin (Cymbalta ®)

Mögliche Nebenwirkungen:

Zittern, Unruhe, Herzklopfen, Schwitzen, sexuelle Funktionsstörungen

Calciumkanal- Modulatoren

Der Wirkstoff Pregabalin (Lyrica ®) ist seit 2008 für die Therapie der generalisierten Angststörung zugelassen. Anders als SS(N)RI besitzt der Wirkstoff neben seiner angstlösenden Wirkung auch einen schlaffördernden Effekt, weshalb er insbesondere bei Schlafstörungen (z.B. abendlichem Grübeln) eingesetzt wird. Auch wird er überwiegend über die Niere ausgeschieden, wodurch es kaum Wechselwirkung mit anderen Medikamenten gibt. Vor dem Hintergrund einer guten angstlösenden Wirkung gab es in den letzten zwei Jahren jedoch vermehrt Hinweise auf ein mögliches Abhängigkeitspotential. Obwohl diesbezüglich systematische Untersuchungen noch ausstehen, sollte Pregabalin bei Patienten mit einer komorbiden Suchterkrankung nachrangig eingesetzt werden.» mehr Informationen lesen ...

 

Wirkweise:

Pregabalin reguliert die Öffnung eines Calcium- Kanals an der Nervenzelle und führt so zu einer Modulation des erregend wirksamen Botenstoffs Glutamat.

Mögliche Nebenwirkungen

Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme

 

Behandlungsoptionen der 2. Wahl 

Trizyklische Antidepressiva (TZA)

Trizyklische Antidepressiva (TZA) waren die ersten Antidepressiva auf dem Markt. Sie zeigen eine vergleichbar gute Wirkung auf die Angst-Symptomatik wie SS(N)RIs (Quelle: Bakker et al., 2002;Liebowitz, 1989). Jedoch führen sie bei den meisten Patienten zu mehr Nebenwirkungen, v.a. zu Mundtrockenheit, Verstopfung, Müdigkeit, Gewichtszunahme und Schwindel. Daher sind sie heute bei der medikamentösen Behandlung der Angststörung "weitere Wahl" (Quelle: Bandelow et. al. 2014; Plag & Ströhle, 2012), das heißt, man setzt sie erst dann ein, wenn SS(N)RIs nicht geholfen oder individuell unerwünschte Nebenwirkungen gezeigt haben. In manchen Fällen (z.B. bei starker Unruhe) kann die beruhigende Wirkung vieler TZAs nicht nur eine Nebenwirkung, sondern ein durchaus erwünschter Effekt sein. » mehr Informationen lesen ...

 

Wirkweise:

TZAs bewirken – je nach Medikament in unterschiedlicher Ausprägung - eine Erhöhung der Konzentration der Gehirn-Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin, beides über Blockade des Recyclings dieser Botenstoffe (Rückaufnahme in die Nervenzelle über sog. Serotonin- bzw. Noradrenalin-Transporter). Diese beiden Wirkmechanismen werden mit dem angstlösenden Effekt von TZAs in Verbindung gebracht. TZAs wirken jedoch nicht nur auf diese wirksame Weise (selektiv), sondern auch auf weitere Botenstoffe und Botenstoff-Empfänger (Rezeptoren), u.a. auf Acetylcholin-Rezeptoren, Histamin-Rezeptoren, Serotonin-2-Rezeptoren, Dopamin-Rezeptoren und Noradrenalin-Alpha-1-Rezeptoren. Dies führt häufig zu einer Reihe von unerwünschten Nebenwirkungen.

Beispiele für Medikamente:

Imipramin (Tofranil ®), Clomipramin (Anafranil ®), Amitriptylin (Saroten®), Doxepin (Aponal®), Nortriptylin (Nortrilen®), Desipramin (Pertofran®), Tremipramin (Stangyl®)

Monoamino- Oxidase- Inhibitoren (MAOI)

(Irreversible) MAOI sind in der Vergangenheit häufig zur Behandlung von Angsterkrankungen (insbeonder der sozialen Phobie) eingesetzt worden. Es finden sich in der Literatur jedoch nur wenige und methodisch eingeschränkt aussagefähige Studien, die die Wirksamkeit von MAO-Hemmern belegen (Quelle: Sheehan et al., 1980;Buigues and Vallejo, 1987). Daher kommen MAO-Hemmer erst dann zum Einsatz, wenn andere Antidepressiva wie SSRIs, SNRIs oder Trizyklika nicht ausreichend wirksam waren oder beim individuellen Patienten zu nicht tolerierbaren Nebenwirkungen geführt haben. Ein weiterer Grund für den seltenen Einsatz von MAO-Hemmern ist ein eher ungünstiges Nebenwirkungsspektrum und die Notwendigkeit des Einhaltens einer Diät während der Einnahme irreversibler MAOI. Moclobemid als reversibler MAOI ist zur Behandlung der sozialen Phobie zugelassen, tritt jedoch hinsichtlich seiner klinischen Relevanz hinter die SS(N)RI zurück.

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Wirkweise:

MAOI erhöhen im Gehirn die Konzentration sämtlicher Monoamine, u.a. Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, indem sie das Enzym, das diese Stoffe abbaut (Monoamino-Oxidase), hemmen. Auf diese Weise werden diese Gehirn-Botenstoffe nicht verstoffwechselt, sondern bleiben in ihrer aktiven Form für längere Zeit wirksam.

Beispiele für Medikamente

Moclobemid (Aurorix®), Tranylcypromin (Jatrosom®), Phenelzin (Nardil®)

Mögliche Nebenwirkungen

Schlafstörungen, Hypotonie, Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen und Mundtrockenheit, hypertone Blutdruckkrise (bei Diätfehlern)

 

Weitere medikamentöse Behandlungsoptionen

Neben den oben genannten Antidepressiva gibt es weitere Medikamente, die in der Behandlung von Angststörungen manchmal zum Einsatz kommen. Sie werden als zusätzliche Medikation eingesetzt oder dann, wenn Antidepressiva- Behandlungen nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Ihre Anwendung bei Angsterkrankungen hat entweder nur eine eingeschränkte oder eine wissenschaftlich noch nicht gut untersuchte Wirksamkeit oder aber ihre langfristige Einnahme erhöht das Risiko ungünstiger Nebenwirkungen.

Benzodiazepine

Benzodiazepine sind Beruhigungsmittel, von denen sich vor allem die Untergruppe der sogenannten „hochpotenten Benzodiazepine“ in der kurzfristigen Behandlung von Angststörungen als effektiv erwiesen haben (Quelle: Jonas and Cohon, 1993;Beauclair et al., 1994;Nardi and Perna, 2006; Andersch et al., 1991). Diese Medikamente bewirken meist sehr schnell und sehr effektiv einen Rückgang der Angstsymptomatik. Jedoch besteht bei längerer Einnahme die Gefahr der Entwicklung einer Gewöhnung und Abhängigkeit. Dies bedeutet, dass der Patient mit der Zeit immer höhere Dosierungen einnehmen muss, um zum selben angstlösenden Effekt zu gelangen und dass nach Absetzen der Medikation es zu einer Entzugssymptomatik (Zittern, Unruhe, Herzrasen, Kaltschweiß) kommen kann. Außerdem ist das Absetzen des Medikamentes nach langer Behandlungszeit häufig mit starken Nebenwirkungen und einem Rückfall in die Angst- Symptomatik (Quelle: Noyes, Jr. et al., 1991) verbunden (sog. „rebound-Effekt“). darüber hinaus scheint die Einnahme von Benzodiazepinen den langfristigen Effekt von Psychotherapie zu verschlechtern (Quelle: Marks et al., 1993). Aus diesen Gründen ist eine Behandlung mit Benzodiazepinen mittel- und langfristig nicht angezeigt und sollte kurzfristig nur dem Ausnahmefall vorbehalten sein. » mehr Informationen lesen ...

 

Wirkweise:

Die angstreduzierende Wirkung von Benzodiazepinen kommt durch eine Verstärkung der Wirkung des hemmenden Botenstoffes Gamma-Amino-Butter-Säure (GABA) im Gehirn zustande.

Beispiele für Medikamente

Alprazolam (Tafil®), Clonazepam (Rivotril®), Diazepam (Valium®, Faustan®), Bromazepam (Lexotanil®)

Mögliche Nebenwirkungen

Die wichtigste und ungünstigste Nebenwirkung ist sicherlich die einer Substanzabhängigkeit. Das Risiko hierfür besteht bereits nach einer dauerhaften Einnahme von Benzodiazepinen von mehr als zwei Wochen.  Eine Tagesmüdigkeit und Benommenheit, Konzentrations- und Denkstörungen sind weitere beeinträchtigende Nebeneffekte. Daher besteht im Allegemeinen nach ihrer Einnahme eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Bei Absetzen des Medikamentes treten nach zu langer Einnahme häufig Entzugssymptome und ein Rückfall in die Angstsymptomatik ("rebound-Effekt") auf.

Antipsychotika (früher auch "Neuroleptika")

Für die Wirksamkeit von Antipsychotika als alleinige Therapie in der Behandlung von Angststörungen gibt es bisher keine hinreichende wissenschaftliche Basis. Es gibt zwar Hinweise, dass der Einsatz des niedrig dosierten atypischen Neuroleptikums Olanzapin (Zyprexa®) zusätzlich zu einer SSRI-Behandlung sinnvoll sein kann, wenn eine SSRI-Behandlung allein nicht erfolgreich war (Quelle: Sepede et al., 2006). Olanzapin-Behandlung wird auch bei zusätzlicher Hypomanie bei bestehender Familiengeschichte einer bipolaren Störung empfohlen (Quelle: Mathew et al., 2001). Der Einsatz dieser Medikamentenklasse in der Panikstörung muss jedoch noch besser untersucht werden. » mehr Informationen lesen ...

 

Wirkweise:

Olanzapin gehört zu den sogenannten atypischen Neurolepika. Während typische Neuroleptika vor allem die Aktivität des Gehirnbotenstoffes Dopamin verringern, wirkt Olanzapin vorrangig über eine Blockade der Serotonin-2-Rezeptoren (Botenstoff-Empfänger) im Gehirn.

In der Panikstörung bisher untersuchtes Medikament:

Olanzapin (Zyprexa®)

Mögliche Nebenwirkungen

extrapyramidal-motorische Störungen (wenn auch in geringerem Ausmaß als bei klassischen Neuroleptika), Blutbildveränderungen (Agranulozytose, erhöhte Prolaktinspiegel), Gewichtszunahme, Müdigkeit

Beta-Blocker

Zur Beeinflussung starker vegetativer Symptomatik (Herzrasen oder -stolpern, Zittern etc) werden manchmal Beta-Blocker eingesetzt. Sie zeigen jedoch keine Wirkung auf Angst oder Panik. Lediglich eine unzureichend kontrollierte Studie beschreibt positive Effekte in der Behandlung der Panikstörung (Quelle: Ravaris et al., 1991), während eine weitere Studie keinen Effekt finden konnte (Quelle: Munjack et al., 1989). Hingegen zeigte sich ein positiver Effekt des Beta-Blockers als Zusatzbehandlung zu einem SSRI, wenn dieses Medikament allein nicht zu einer ausreichenden Wirkung geführt hatte (Quelle: Hirschmann et al., 2000). Doch selbst in dieser Einsatzform müssen Beta-Blocker noch weiter untersucht werden.

 

... zum Vertiefen

Bandelow et al., Deutsche S3- Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen (www.awmf.org/leitlinien.html)Plag J, Ströhle A (2012) Angststörungen: Klinische Psychopharmakotherapie. In: Gründer G, Benkert O (Hrsg.) Handbuch der psychiatrischen Pharmakotherapie. 2. Auflage, Springer-Verlag Berlin, Heidelberg. S. 1005-1019.

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Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

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